Freiheit bei der Abfahrt

Im Waldgebiet am Klever Aussichtsturm befindet sich seit 2014 eine Downhill-Strecke. Jugendliche legen dort in atemberaubendem Tempo steile Abfahrten und kühne Sprünge hin. Doch auch Verletzungen sind nicht selten.

VON MAARTEN OVERSTEEGEN

Bericht der Rheinischen Post vom 25.02.2021 Themenwoche Radfahren

RP-Foto: Markus van Offern
Friso Nienhaus (gelbes Fahrrad) und Nico Gnida auf der Strecke neben dem Robinson-Platz in Kleve.
KLEVE | Prellungen, Hämatome, Knochenbrüche, Schürfwunden – all das müsse man in Kauf nehmen, wenn man sich fürs Downhill begeistert. Das meint zumindest der 15-jährige Friso Nienhaus, der seine Freizeit am liebsten auf der Mountainbike-Strecke im Klever Waldgebiet zwischen Königsallee und Nimweger Straße verbringt. „Es gibt wohl kaum ein Hobby, bei dem man so viel draußen ist. Außerdem trifft man hier oben immer auf Freunde“, sagt Nienhaus. Wenn möglich, verabredet er sich hier mehrfach in der Woche mit seinem Freund und Sportskollegen Nico Gnida – um mit ihren mehrere tausend Euros teuren Downhill-Mountainbikes so schnell wie möglich die Strecke bergab zurückzulegen. Insbesondere am Wochenende herrscht auf dem Waldareal reges Treiben.
Eingeweiht wurde die Strecke im Frühjahr 2014 vom stellvertretenden Bürgermeister Joachim Schmidt. Der Mountainbikeverein MTB-Kleve hatte das Areal im Schatten des Aussichtsturms von Stadt und Forst gepachtet. Mit 50 Sportlern war der Verein an den Start gegangen, die kräftig mitanpackten. Die Strecke wurde eigenhändig mit Schüppe und Sparten errichtet, zudem zahlreiche Sprung- und Holzelemente eingerichtet. 2018 aber fand der Verein nicht mehr genügend Ehrenamtler, die bereit waren, für den Vorstand zu kandidieren. Doch die Aktiven fanden eine Lösung: Sie schlossen sich dem Sportverein Eintracht Emmerich an, der schon seit Jahren eine mitgliederstarke Radsportabteilung hat. Mittlerweile zählt die Abteilung in Kleve 29 Mitglieder, allesamt im Alter zwischen 14 und 18 Jahre. Sie kommen nicht nur aus Kleve, sondern auch aus Kranenburg, Bedburg-Hau, Kalkar und sogar aus Duisburg.
Karola Peeters zu Folge, deren Sohn ebenfalls regelmäßig im Wald mitradelt, sei der Altersdurchschnitt auch auf das Verletzungsrisiko zurückzuführen. „Meistens geht hier alles gut, schwere Verletzungen sind doch eher selten. Aber das Risiko, sich etwas aufzuschürfen oder zu prellen, besteht nun einmal. Davor schrecken Erwachsene, gerade auch mit Blick auf die Berufstätigkeit, eher zurück“, sagt Karola Peeters. Besonders stolz sei sie darauf, dass die Jugendlichen die Strecke auch in Eigenleistung in Schuss halten. So werden am Berg regelmäßig sogenannte „Bautage“ anberaumt. Dann kommen die Vereinsmitglieder zusammen, um Sprunghürden zu stabilisieren, die Holzelemente auszubessern oder den Bodenbelag zu festigen.
Immer wieder würden jedoch auch Unbefugte die Strecke, durch die ein Waldwanderweg führt, befahren, so der Abteilungsgeschäftsführer Horst Thyssen. „Dieses Gelände ist nicht absperrbar. Daher lässt es sich auch kaum vermeiden, dass fremde Leute die Strecke befahren“, sagt Thyssen. Nur würden sie eben meist keine speziellen Downhill-Räder mitbringen, auch ihre Schutzkleidung sei meist unzureichend. Wer im Mountainbike-Verein mitfährt, braucht nämlich nicht nur einen voll-integralen Helm wie Motorradfahrer ihn tragen, sondern auch Protektoren für Arme und Beine.
Nico Gnida und Friso Nienhaus aber genießen vor allem ihre Freizeit auf der Strecke. Mitunter springen sie metertief von kleinen Sprungrampen, binnen 30 Sekunden haben sie die gesamte Strecke zurückgelegt. Dann geht es wieder zurück nach oben, dafür benötigen die Jugendlichen knapp zwei Minuten. Vor Corona haben die Jungs auch regelmäßig an Wettbewerben teilgenommen. Doch diese fielen zuletzt flach. Sportlich betreut werden die Jungs bei ihrem Treiben von dem niederländischen Coach Robbert Crommentuyn.
„Wir genießen die Freiheit hier im Wald, normalerweise ist hier nämlich niemand. Diese Strecke wird auch nie langweilig“, sagt der 15-jährige Gnida. Und sogar in den Urlaub würden die Jugendlichen ihr Rad mitnehmen. „Das macht auch den Reiz unseres Hobbys aus. Downhill-Strecken gibt es eigentlich überall auf der Welt. Man braucht also nur sein Rad mitnehmen, um irgendwo eine Abfahrt herunterzufahren“, sagt Friso Nienhaus.
INFO
So kann man Vereinsmitglied werden
Überblick Infos über den Downhill-Radsport in Kleve gibt es im Internet: www.eintrachtemmerich.de. Ansprechpartner ist der Abteilungsleiter Manfred Gerritz.

Kosten Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Jugendliche 18 Euro pro Quartal. Zudem sind Vereinsmitglieder zur Teilnahme an den sogenannten Bautagen verpflichtet.